Eine einheitliche solidarische Krankenversicherung

Unser Krankenversicherungssystem ist höchst kompliziert und besteht aus einem Nebeneinander und auch Gegeneinander von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen.  Es wird behauptet diese Konkurrenz trage zum Funktionieren bei, die Konkurrenz verbessere die Leistungen und angeblich würden die Privatversicherten das ganze System subventionieren und am Leben erhalten. Ärztliche Praxen und Krankenhäuser könnten nur durch die Behandlung der Privatpatienten finanziell überleben. Das Gespenst der Einheitsversicherung als Würger des Gesundheitssystems wird an die Wand gemalt.

Tatsache ist, dass gutverdienende Menschen, die deshalb auch durchschnittlich gesünder sind, sich der Solidargemeinschaft entziehen und keine Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bezahlen. Wenn die Beitragsbemessungsgrenzen höher wären und auch andere Einkommen aus Kapitalerträgen in die Beitragsberechnung einflössen, hätten die GKV deutlich mehr Geld für die Behandlung Aller zu Verfügung.

Die PKV sind auch kein Motor des Fortschrittes.

Sie nehmen nicht teil an Maßnahmen der Qualitätssicherung sowohl einzelner Ärzte als auch Institutionen und der Überprüfung neuer Therapien. Es ist ein zweifelhaftes Privileg, wenn Privatpatienten Untersuchungen und Behandlungen angeboten und finanziert werden, deren Nutzen nicht bewiesen ist. Das kann dann für die Patienten am Ende zu gefährlicher Überversorgung führen.

Die GKV sind die tragenden Säulen des Gesundheitssystems allein schon deshalb, weil 90% aller Menschen darüber versichert sind. Zudem scheint es weiterhin  Konsens in der Ärzteschaft zu sein, keine wirklichen Unterschiede in der Behandlung von kranken Patienten und Patientinnen zu machen.

Ein wichtiges Problem ist das Vergütungssystem sowohl bei den gesetzlichen als auch den Privaten Kassen – was zum größten Teil aber auch gesetzlich geregelt ist. Entscheidungen über Untersuchungen und Behandlungen geraten zunehmend unter den Druck der Ökonomie, was sich für Ärzte und Krankenhäuser lohnt – das Sprechen, Kümmern und Entscheiden nach individuellen sachlichen Kriterien wird am Schlechtesten entlohnt und erscheint in einem privatwirtschaftlich organisiertem Gesundheitssystem unvernünftig. Das verhindert eine Medizin nach den Kriterien der Evidenz.