Ökonomisierung der Medizin

Mit Ökonomisierung bezeichnen wir eine Entwicklung, die seit den 90 er Jahren eine Ausrichtung der  Medizinischen Versorgung an Wirtschaftsstrukturen und eine zunehmende Gewinnorientierung zuließ. Damit werden Kranke zu Klienten und zur Ware. Beitragszahlungen werden nicht mehr primär für die Leistungen der Medizinischen Versorgung herangezogen, sondern im Sinne von Geldanlagen mit Aktiengewinnen eingesetzt, die nicht den Beitragszahlern zu Gute kommen.

Die Angebote und die Auswahl medizinischer Leistungen müssen rational d.h. bedarfs- und nutzenorientiert sein im Sinne der Kampagne „choosing wisely“ (mehr hier). Falsche, wirtschaftlich geprägte Anreize, die zu Fehl- und Überversorgung führen, wollen wir ausschließen.

Die neoliberale Finanzierung der Krankenhausbehandlung über DRGs (und Pauschalisierendes Entgeldsystem Psychiatrie und Psychosomatik, PEPP),  gekoppelt mit der Unterfinanzierung durch öffentliche Haushalte, führte einerseits zu unsinnigem Wachstum und Fallsteigerungen in profitablen Bereichen und andererseits zu Personal- und Leistungsabbau in sog. defizitären Feldern. Insgesamt resultierten daraus Kostensteigerungen und schlechtere stationäre Versorgung, dagegen kaum der erhoffte Bettenabbau in Deutschland. Das DRG-System muss ersetzt werden durch eine bedarfsorientierte, öffentlich kontrollierte Krankenhausversorgung.

Innerhalb des GKV-finanzierten Gesundheitssystems sollten keine privaten Gewinne erzielt werden können. Analog der Krankenhausregelung vor 1985. Alle Versicherten-Beiträge müssen zu direkten Versorgungsleistungen führen.

In diesem Sinne muss der Spielraum zur Preisgestaltung in der Pharmaindustrie und Medizintechnik in Deutschland weiter eingeschränkt und gesellschaftlich kontrolliert werden.

Die medizinische Forschung muss verstärkt universitär stattfinden und weniger auf Bereiche beschränkt sein mit denen Gewinne zu erwarten sind. Die momentan nahezu ausschließliche pharmazeutische Entwicklung und Beforschung  von sog „Biologicals“ ist ein Beispiel dafür, andere Entwicklungsfelderliegen seit Jahren praktisch brach.

Folgende Forderungen leiten wir für ein gutes Gesundheitssystem ab:

  • Falsche Anreize in der Versorgung vermeiden (Choosing wisely)
  • Abschaffung des DRG basierten Vergütungssystems
  • Ausschluss von Rendite- basierten Gesundheitsunternehmen
  • Beschränkung der Preisgestaltung durch die Pharmaindustrie
  • Forschung und Entwicklung primär unter wissenschaftlichen Aspekten und ohne Gewinnorientierung