Soziale Determinanten von Gesundheit

Gesundheit und ein langes Leben begründen sich bei weitem nicht nur auf biologischen Voraussetzungen. Die gesellschaftlichen Bedingungen für das Subjekt und die Verhältnisse in denen ein Mensch lebt, bestimmen maßgeblich die Morbidität und die Lebensdauer. Bildung, Beruf und Einkommen beeinflussen die Wahrscheinlichkeit von Krankheit ebenso wie Umweltverschmutzung, Wohnraum und Teilhabe an urbaner Mobilität. In Deutschland besteht ein Unterschied in der Lebenserwartung zwischen den reichsten und ärmsten Bevölkerungsgruppen von etwa 10 Jahren. Solche Unterschiede bestehen auch für die Mehrheit chronischer Erkrankungen. Diese gesundheitlichen Ungleichheiten finden ihre Ursache zum größten Teil in der Gesellschaft, den sozialen Determinanten von Gesundheit. Die Kommission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2008 die Bekämpfung von gesundheitlichen Ungleichheiten als übergeordnetes gesellschaftliches Ziel benannt und gefordert, jegliche politischen Entscheidungen darauf auszurichten.[1]

Der Einfluss der Verhältnisse auf Gesundheit, und damit auch der Lebenserwartung, zeigt sich auf Hamburger Ebene aktuell beispielsweise darin, dass im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung 2016 bei 10,1% der Kinder ein Übergewicht, bei fast fünf Prozent aller Kinder eine Adipositas festgestellt wurde, wobei die Verteilung der extrem übergewichtigen Kinder in Hamburg stark schwankt. In sozial schlechter gestellten Stadtteilen wie Wilhelmsburg (11,45% adipöse Schulanfänger), sowie in Billstedt (9,79%) sind weitaus mehr Kinder betroffen als in wohlhabenden Stadtteilen wie Sasel (0,87%), Poppenbüttel (0,36%) und Blankenese (0,64%). [2]

Aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu sozialen Determinanten von Gesundheit  und den Forderungen der WHO folgt für uns die Verantwortung als Ärztinnen und Ärzte, auf politischer Ebene für eine Prävention der Verhältnisse einzustehen. Der Weg über die hamburgische und die Bundesärztekammer erscheint uns hierfür neben der Vernetzung mit zivilgesellschaftlichen Akteuren der richtige Weg.

[1] Poliklinik1/VDÄÄ (2016), Soziale Determinanten von Gesundheit, in Gesundheit braucht Politik, ISSN 2914 0258.

[2]Wenig, Peter/Wood, Geneviève (2017): Schon jedes fünfte Kind in Hamburg hat Gewichtsprobleme,

zitiert nach Bischoff, Müller (2016), Soziale Ungleichheit im Wohlstand – Reichtum und Armut in Hamburg.